Seit 1984 im Rollstuhl

Am 4. September 1984 bin ich vom Apfelbaum gefallen.

Seitdem sitze ich im Rollstuhl. Ich heiße Wolfgang Steffan, ich bin 74 Jahre alt und lebe im Spreewald. Wenn Sie gerade dort stehen, wo ich damals lag – oder wenn jemand, den Sie lieben, dort liegt –, dann können Sie mir schreiben. Ich antworte selbst.

Wolfgang Steffan mit Handbike auf einem Feldweg am Sonnenblumenfeld
Meine Geschichte

Warum ich heute anderen Menschen helfen möchte

Es gibt Momente im Leben, die alles verändern – von einer Sekunde auf die andere.

01

Davor

Mit 32 Jahren war ich jung, sportlich und voller Tatendrang. Ich arbeitete als stellvertretender Tagebauleiter und half nebenbei regelmäßig auf dem landwirtschaftlichen Hof meiner Eltern in einem kleinen Ort nahe Lübbenau in Brandenburg. Mein Leben war aktiv, erfüllt, und ich blickte voller Zuversicht in die Zukunft.

02

4. September 1984 – Der Tag

Bis zu dem Tag, an dem ich auf einen Apfelbaum stieg, um bei der Ernte zu helfen. Ein Ast brach unter mir weg und ich stürzte. Obwohl der Fall aus vergleichsweise geringer Höhe erfolgte, verletzte ich mir die Wirbelsäule im unteren Bereich so schwer, dass ich von einem Augenblick auf den anderen querschnittgelähmt war.

„Ein Apfelbaum. Ein Ast. Und danach war nichts mehr, wie es war.“
03

Die Diagnose

Im Klinikum in Cottbus erhielt ich die Diagnose, die mein Leben für immer veränderte. Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte – beruflich, privat oder überhaupt menschlich. Die Verzweiflung war so groß, dass ich keinen Sinn mehr in meinem Leben sah.

Zu dieser schweren Zeit war ich allein. Meine jungen Töchter waren meine wichtigste Unterstützung. Gemeinsam mussten wir einen Weg finden, mit einer Situation umzugehen, auf die niemand vorbereitet sein kann.

04

Die ersten Monate

Nach meiner Entlassung gab es keinen rollstuhlgerechten Wohnraum für mich. Deshalb musste ich zunächst wieder im kleinen Dorf meiner Mutter leben. Die ersten Monate waren geprägt von Unsicherheit, Hilflosigkeit und der Frage, ob ich jemals wieder ein selbstbestimmtes Leben führen könnte.

05

Zurück ins Leben

Ich begann mit Rollstuhltischtennis, wurde schließlich sogar DDR-Meister in dieser Disziplin und nahm später mehrfach am Berlin-Marathon teil. Der Sport gab mir neue Ziele, neues Selbstvertrauen und den Glauben daran, dass das Leben trotz Querschnittslähmung weitergehen kann.

Auch beruflich eröffnete sich für mich eine neue Perspektive. 1991 gründete ich gemeinsam mit meiner damaligen Frau ein Reha-Center für Hilfsmittel und Rehabilitationstechnik. Als Geschäftsführer baute ich über viele Jahre ein erfolgreiches Unternehmen auf und begleitete zahlreiche Menschen auf ihrem Weg zurück in ein möglichst selbstständiges Leben. 2023 habe ich mich aus dem Unternehmen zurückgezogen.

„Der Rollstuhl war nicht das Ende von etwas. Er war das, womit ich weitermachen musste.“
Wolfgang Steffan beim Rollstuhltischtennis, Schwarz-Weiß-Aufnahme aus den 1980er-Jahren
06

Heute

Heute möchte ich all das weitergeben, was ich selbst in mehr als vier Jahrzehnten gelernt habe – nicht nur als ehemaliger Geschäftsführer eines Reha-Unternehmens, sondern vor allem als Mensch, der das erlebt hat, wovor viele Betroffene heute stehen.

Ich kenne die Angst, die Verzweiflung und die unzähligen Fragen der ersten Tage und Wochen nach einer Querschnittslähmung. Genau in dieser Zeit möchte ich Betroffenen und ihren Angehörigen kostenlos zur Seite stehen – mit meiner Erfahrung, meinem Wissen und einem offenen Ohr.

Ich kann die Vergangenheit nicht ändern. Aber ich kann Ihnen zeigen, dass es einen Weg zurück ins Leben gibt. Ein Leben, das anders ist als zuvor – aber dennoch erfüllt, selbstbestimmt und lebenswert sein kann. Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen. Ich begleite Sie gerne auf den ersten Schritten.

Wolfgang Steffan mit Handbike vor einem Leuchtturm an der Ostsee
„Baut auf die Kraft der Familie, denn eine Familie ist das größte Glück, das einem Menschen widerfahren kann.“
Wolfgang Steffan, an seine Enkelkinder
Wolfgang Steffan im Rollstuhl auf der Seebrücke bei Sonnenaufgang
Ehrlich gesagt

Was ich Ihnen sagen kann. Und was nicht.

Ich kann Ihnen nicht sagen, dass alles gut wird. Ich weiß nicht, wie Ihr Weg aussieht. Ich weiß nur, wie meiner war: lang, oft schlimm, und trotzdem ein Weg.

Ich kann Ihnen sagen, was in den ersten Wochen normal ist, auch wenn es sich nicht normal anfühlt. Ich kann Ihnen sagen, welche Fragen ich hatte und welche Antworten ich mir gewünscht hätte. Ich kann zuhören, ohne dass Sie etwas erklären müssen. Und wenn es irgendwann um Anträge, Kassen oder Rollstühle geht, kann ich Ihnen sagen, worauf es ankommt – ich habe das über dreißig Jahre beruflich gemacht.

Ich bin kein Arzt, kein Therapeut, kein Anwalt und kein Sanitätshaus. Ich empfehle keine Produkte und keine Händler, und ich verdiene an nichts. Ich bin einfach jemand, der 1984 vom Baum gefallen ist und heute noch da ist.

Für wen ich da bin

Sie müssen mir nichts erklären.

Wenn es gerade erst passiert ist

Wenn Sie im Krankenhaus liegen oder in der Reha sitzen und nicht wissen, was Sie zuerst denken sollen. Sie müssen mir nichts erklären. Schreiben Sie einfach, dass Sie da sind.

Wenn es jemanden trifft, den Sie lieben

Angehörige tragen in den ersten Wochen oft mehr, als man ihnen ansieht – und haben niemanden, der ihnen sagt, was sie tun sollen und was nicht. Ich war beides: Betroffener und, später, Angehöriger.

Wenn Sie mit niemandem reden wollen, der Sie kennt

Manche Fragen stellt man lieber einem Fremden. Ich bin ein Fremder, der es versteht.

Schreiben Sie mir

Ich lese jede Nachricht selbst.

Ich antworte innerhalb von ein, zwei Tagen – manchmal am selben Abend. Was Sie mir schreiben, bleibt bei mir. Wenn Sie lieber telefonieren oder sich treffen möchten, machen wir das aus.

Wenn Sie gerade nicht mehr weiterwissen: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar – 0800 111 0 111, kostenfrei und anonym. Ich bin kein Ersatz dafür, aber ich bin auch da.